Hans Carl Artmann wird am 12. Juni 1921 in Wien-Breitensee, Kienmayergasse 43, als Sohn des Schuhmachers Johann Artmann und seiner Frau Marie (geb. Schneider) geboren.
Er wächst in einem Handwerkerviertel auf, in dem er früh mit Fremdsprachen in Berührung kommt — besonders mit dem Tschechischen der Nachbarn. Nach dem Hauptschulabschluss arbeitet er als Büropraktikant.
Interaktiv: In der Street View links kannst du das Geburtshaus in der Kienmayergasse 43 erkunden. Schau dir die Inschrift neben der Haustür genauer an — sie erzählt ihre eigene Geschichte.
1940 wird Artmann zur Deutschen Wehrmacht eingezogen. 1941 erleidet er eine schwere Kriegsverletzung an der Ostfront und wird in ein Strafbataillon versetzt.
1945 gerät er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Schon während der Militärzeit widmet er sich dem Schreiben — eine Flucht in die Sprache aus der Brutalität des Krieges.
Nach Kriegsende arbeitet er als Übersetzer für die alliierten Truppen — ein Zeichen seiner außergewöhnlichen Sprachbegabung.
1947 erscheint seine erste Lyrikveröffentlichung im Radio Wien. Er entdeckt den Dadaismus, japanische Haiku-Dichtung und mittelalterliche Balladen als Inspirationsquellen.
1951 tritt er dem Art-Club bei, der wichtigsten Künstlervereinigung im Nachkriegs-Wien. Ab 1952 arbeitet er eng mit Gerhard Rühm und Konrad Bayer zusammen.

Um 1953 gründet Artmann die legendäre Wiener Gruppe — eine Avantgarde-Bewegung, die die deutschsprachige Literatur revolutioniert. Mitglieder: Friedrich Achleitner, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener.
Die Gruppe experimentiert radikal mit Sprache, Form und Performance. Artmann verlässt die Gruppe 1958, im selben Jahr seines größten Erfolges.

1958 erscheint med ana schwoazzn dintn. gedichta r aus bradnsee (mit einer schwarzen Tinte) — Artmanns berühmtestes Werk. Eine Sammlung von Gedichten im Wiener Dialekt, die eine ganze Dialektwelle in der deutschsprachigen Literatur auslöst.
Die Gedichte verbinden schwarzen Humor mit makabren Szenen aus dem Wiener Vorstadtleben. Was als satirische Provokation gedacht war, wird von den Lesern begeistert aufgenommen.

Schon ab 1954 bereist Artmann Frankreich, Spanien und Irland. Die grüne Insel wird zur lebenslangen Faszination — er beschreibt sein Irland als „ein Feenland, regenbogenartig, magisch“. Keltische Mythen und Dichtung fließen in sein Werk ein, später übersetzt er keltische Klosterdichtung in Schlüssel zum Paradies (1993).
Ab 1960 verlässt er Wien dauerhaft. Er lebt in Schweden (1961–65), Berlin (1965–69) und lässt sich 1972 in Salzburg nieder. Es entstehen Übersetzungen von Villon, Molière und Lope de Vega.
Artmann schrieb auch für Film und Fernsehen — mit unverkennbarer Handschrift zwischen Wiener Volkstheater und Avantgarde.
Ein Beispiel für ein verwandtes Video finden Sie hier: Das Donauweibchen (modern interpretiert).

Artmanns Lebenswerk wurde mit den höchsten literarischen Ehrungen gewürdigt:

1995 kehrt Artmann nach Wien zurück und nimmt eine Lehrtätigkeit an der Wiener Schule für Dichtung an. Er schreibt und dichtet bis ins hohe Alter weiter.
Am 4. Dezember 2000 stirbt Hans Carl Artmann in Wien an einem Herzinfarkt. Er wird am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.